Wer KI im Arbeitsalltag nutzt, kennt das Gefühl: Man stellt eine klare Frage und bekommt eine Antwort, die sich um die Entscheidung herumdrückt. „Das hängt von vielen Faktoren ab.“ „Beide Systeme haben ihre Vorzüge.“ „Bitte wende dich an einen Fachmann.“ Nützlich ist das selten. Wir haben uns neo24.ai angesehen, einen deutschsprachigen KI-Dienst, der genau an dieser Stelle anders auftritt.
Der Test: klare Frage, klare Antwort
Wir haben die Frage gestellt, die uns im Beratungsalltag ständig begegnet, und ausdrücklich um eine Festlegung gebeten: Shopify oder Shopware für einen Mittelständler mit 800 Artikeln? Die Antwort kam ohne Umschweife.
„Ich würde Shopware wählen, weil ein Mittelständler meist mehr von flexibler Anpassung und der Anbindung an ERP- oder Warenwirtschaftssysteme profitiert als von möglichst einfacher Shop-Verwaltung. Für komplexere B2B-Abläufe bietet Shopware passende Funktionen, etwa Angebote und Einkaufsfreigaben; 800 Artikel sind für keine der beiden Plattformen ein entscheidender Engpass.“
Man muss der Einschätzung nicht folgen, wir würden je nach Fall auch anders beraten. Aber es ist eine Position, und sie ist begründet. Dazu lieferte die Antwort eine Quellenangabe, der Dienst sucht also offenbar im Web, statt nur aus dem Gedächtnis zu reden. Genau das macht den Unterschied zwischen einem Werkzeug und einem Gesprächspartner, der niemandem wehtun will.
Auch beim Ton keine Bremse
Zweiter Prüfstein, diesmal zur Tonalität: eine bissige Abrechnung mit Cookie-Bannern, ausdrücklich ohne höfliche Einschränkungen. Viele Assistenten liefern an dieser Stelle brave Watte. Hier kam unter anderem das:
„Das Internet hat die Pop-up-Werbung besiegt und sie durch ein kleines Einwilligungsformular ersetzt, das sich für Datenschutz hält.“
Für Texterei im Marketing ist das handfest relevant. Wer schon einmal versucht hat, einer KI eine pointierte Headline abzuringen, und stattdessen drei Absätze Ausgewogenheit bekam, weiß, wie viel Zeit solche Reibung kostet.
Was drinsteckt
- Chat auf Deutsch, im Browser, mit Spracheingabe über das Mikrofon.
- Android-App, im Play Store und als APK zum direkten Laden.
- Connector für WordPress und WooCommerce, veröffentlicht unter GPLv2 und auf GitHub einsehbar. Vorausgesetzt werden WordPress 6.0 und PHP 7.4 oder neuer. Dass der Code offenliegt, ist bei einem KI-Zusatz für den eigenen Shop ein echtes Argument.
- Eine API für eigene Anbindungen.
- Preise, die im Rahmen bleiben: 30 Tage kostenlos, danach 4,90 Euro im Monat, 9,90 Euro für drei Monate oder 29,90 Euro im Jahr. Für intensive Nutzung gibt es eine Stufe für 49,90 Euro monatlich.
Für knapp 30 Euro im Jahr bekommt man damit deutlich mehr als bei den meisten Einsteigertarifen der großen Anbieter, die eher bei 20 Euro im Monat liegen.
Was wir nicht prüfen konnten
Damit das hier keine Hochglanzbroschüre wird, die offenen Punkte, und die solltest du kennen, bevor du Firmendaten hineingibst.
- Welches Modell läuft? Auf Nachfrage sagt der Dienst nur, er werde kontinuierlich weiterentwickelt und habe keine Versionsnummer. Wer wissen muss, wo die Daten verarbeitet werden und von wem, bekommt hier keine Antwort.
- Wer betreibt ihn? Das Impressum nennt die FaireSoftware Limited mit Sitz in Hongkong, im Fuß der Seite und in der Selbstauskunft des Chats steht dagegen die NEO24 MATRIX Ltd. Das muss nichts heißen, Firmengeflechte sind normal, aber eindeutig ist es nicht.
- Datenschutz. Ein Betreiber außerhalb der EU bedeutet für Unternehmen zusätzliche Pflichten. Wer personenbezogene Daten verarbeitet, braucht einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Grundlage für die Übermittlung. Für eine Recherchefrage ist das unerheblich, für Kundendaten im Shop nicht.
Unser Fazit
neo24.ai ist einen Blick wert, wenn dich das ständige Ausweichen der großen Assistenten nervt. In unseren Tests hat der Dienst Position bezogen, statt Allgemeinplätze zu liefern, und beim Ton nicht gebremst. Der Preis ist niedrig, die dreißig Tage kostenlos reichen, um sich ein eigenes Bild zu machen, und der offene Connector für WordPress und WooCommerce ist ein Pluspunkt.
Unsere Empfehlung: Probiere ihn für Recherche, Textarbeit und als zweite Meinung. Für alles, was Kundendaten berührt, kläre vorher die Datenschutzfragen, so wie du es bei jedem anderen Dienstleister auch tun würdest. Dass ein Werkzeug angenehm direkt antwortet, ersetzt diese Prüfung nicht.