Website mit KI selbst bauen oder doch die Agentur?

Titelbild: Webdesign mit KI oder mit Agentur?

Die Frage kommt inzwischen in fast jedem Erstgespräch: Brauche ich für eine Website überhaupt noch eine Agentur, oder mache ich das mit KI selbst? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, und zwar nicht auf dein Budget, sondern auf die Art der Website. Hier liest du, wo KI heute wirklich trägt, wo sie kippt, und warum die scheinbar einfachste Lösung die teuerste von allen ist.

Was KI heute tatsächlich kann

Ziemlich viel, und das soll niemand kleinreden. Werkzeuge wie Onepage bauen aus ein paar Sätzen Beschreibung eine vollständige Seite, samt Texten, Bildauswahl und Formular. Änderungen sagst du im Chat an, statt sie zu klicken. Hosting, Kontaktverwaltung und ein paar SEO-Grundlagen sind gleich mit dabei, und das Ganze kostet weniger als ein Mittagessen pro Monat.

Für eine Landingpage, eine Veranstaltungsseite, die Seite eines Handwerksbetriebs mit Leistungen und Kontaktformular ist das völlig in Ordnung. Vor fünf Jahren hätte so etwas ein paar Tausend Euro gekostet und drei Wochen gedauert. Wer das heute noch als Agenturprojekt verkauft, verkauft Luft.

Wo es kippt

Interessant wird es ab dem Punkt, an dem eine Website kein Prospekt mehr ist, sondern ein Arbeitsgerät. Die Grenze verläuft ziemlich genau dort:

  • Mehrsprachigkeit. Eine Seite per Knopfdruck übersetzen zu lassen ist nicht dasselbe wie eine mehrsprachige Website. Dazu gehören eigene Adressen je Sprache, korrekte hreflang-Angaben, damit Google die Fassungen einander zuordnet, sprachabhängige Menüs und die Frage, was passiert, wenn ein Text nur in einer Sprache existiert. Das ist Struktur, keine Übersetzung.
  • Viele Inhalte mit System. Sobald Produkte, Referenzen, Standorte oder Mitarbeitende als Liste auftreten, gefiltert und an mehreren Stellen ausgespielt werden, brauchst du Inhaltstypen und keine einzelnen Seiten. Sonst pflegst du dieselbe Angabe an sechs Orten.
  • Mehrere Leute, die pflegen. Rollen, Rechte, Entwürfe, Freigaben, ein Verlauf, wer wann was geändert hat. In kleinen Werkzeugen gibt es das selten.
  • Anbindungen. Warenwirtschaft, CRM, Newsletter, Buchungssystem, Schnittstellen zum Shop. Je mehr davon, desto schneller endet jeder Baukasten.
  • Zugänglichkeit und Rechtliches. Barrierefreiheit wird für viele Unternehmen zur Pflicht, dazu kommen Einwilligungen, Datenschutz und saubere Rechtstexte. Das lässt sich nachrüsten, aber schlecht anflicken.

Trifft eines davon zu, gehört die Website in ein ordentliches Redaktionssystem. Nicht, weil das moderner klingt, sondern weil diese Systeme genau für solche Fälle gebaut sind: Inhalte getrennt vom Aussehen, Sprachen als eigene Ebene, Rechte, Versionen, Schnittstellen. Dann kann die KI übrigens weiterhin helfen, beim Texten, beim Strukturieren, beim Bauen von Vorlagen. Sie ersetzt nur nicht die Entscheidung, wie das Ganze aufgebaut ist.

Die Variante, von der wir abraten

Es gibt einen dritten Weg, der gerade populär wird, weil KI ihn so verführerisch einfach macht: sich einfach ein paar HTML-Seiten zusammenbauen lassen und die auf einen Webspace legen. Sieht gut aus, kostet fast nichts, läuft schnell. Und wird mit jedem Monat teurer.

Die Probleme kommen nicht am ersten Tag, sondern danach:

  1. Pflege. Eine neue Telefonnummer, ein geändertes Impressum, ein zusätzlicher Menüpunkt: Jede Änderung musst du in jeder einzelnen Datei nachziehen. Bei acht Seiten geht das, bei dreißig nicht mehr. Erfahrungsgemäß pflegt nach einem halben Jahr niemand mehr etwas.
  2. Sicherheit. Der verbreitete Satz, statische Seiten seien sicher, stimmt nur halb. Das Kontaktformular ist es nämlich nicht, und genau dafür wird dann irgendein Skript eingebunden, das niemand aktualisiert. Dazu kommen Zugänge zum Webspace, veraltete Bibliotheken, eingebundene Fremdskripte. Ein Redaktionssystem hat Updates, und jemand, der sie veröffentlicht. Dein Ordner mit HTML-Dateien hat das nicht.
  3. Keine Struktur für Suchmaschinen. Titel, Beschreibungen, Sitemap, strukturierte Daten, Weiterleitungen beim Umbenennen einer Seite: Das alles ist Handarbeit und wird deshalb vergessen.
  4. Abhängigkeit. Wer soll das später ändern? Ohne System gibt es keinen Standard, an dem sich jemand anderes orientieren kann. Jede Übergabe beginnt mit Archäologie.

Statische Seiten haben durchaus ihren Platz, aber dann als Ergebnis eines Systems, das sie erzeugt, und nicht als handgeschriebene Dateien ohne Unterbau.

Die kurze Entscheidungshilfe

  • Eine Sprache, überschaubarer Inhalt, eine Person pflegt: KI-Baukasten. Schnell, günstig, völlig ausreichend.
  • Mehrsprachig, viele Inhalte, mehrere Pflegende, Anbindungen: Redaktionssystem, sauber aufgebaut. Hier zahlt sich Struktur über Jahre aus.
  • Dazwischen: Frag dich, wie die Seite in zwei Jahren aussieht. Nicht, wie sie beim Start aussieht.
  • Handgebaute HTML-Dateien: besser nicht, außer es ist eine einzelne Seite, die sich nie ändert.

Und die Agentur?

Die Rolle hat sich verschoben. Für die kleine Seite braucht es uns nicht mehr, und das sagen wir auch so, wenn jemand mit einem solchen Projekt kommt. Gebraucht werden wir dort, wo Entscheidungen getroffen werden müssen, die man später nur schwer zurücknimmt: wie die Inhalte strukturiert sind, wie Sprachen abgebildet werden, was mit den alten Adressen passiert, wie Shop und Website zusammenspielen, wer was pflegen darf.

Genau diese Fragen stellt dir keine KI von sich aus, weil sie den Rest deines Unternehmens nicht kennt. Wenn du vor so einem Projekt stehst, schau dir an, wie wir bei VIERPUNKT arbeiten, oder frag einfach kurz nach. Manchmal ist die ehrlichste Antwort auch bei uns: Dafür reicht ein Baukasten.

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